Pfeilschienen

Schießen mit kurzen Pfeilen

Auf die Frage weshalb man mit kurzen Pfeilen geschossen hat, gibt es mehrere Antworten. Zunächst war es ein großes Problem im Kampf, dass der Gegner danebengegangene Pfeile einfach aufheben und zurückschießen konnte. Auf der eigenen Seite konnten mit einer entsprechenden Vorrichtung die kurzen Armbrustbolzen von Feinden wieder verwendet werden und aufgrund der kürzeren und leichteren Pfeile konnte mehr Munition am Mann getragen werden – ein entscheidender Vorteil im Kampf. Die Pfeile waren teilweise so kurz, dass sie in der bildlichen Sprache im Arabischen als „Hagelkörner“ (husban) oder „Vögel“ (usfuri) bezeichnet wurden – oft nur 10–15 cm kurz. Diese Pfeile, abgeschossen mit Kriegsbögen von bis zu 120 lbs, erreichten sehr hohe Geschwindigkeiten und wurden eingesetzt um Brustpanzer und Schilde zu durchbrechen oder die Gegner mit wahrlichen Pfeilhageln zu zermürben. Schwächere Krieger, wie ältere oder junge noch nicht so starke Männer, konnten im Kampf eingesetzt werden, da sie mit ihren schwächeren Bögen und den kürzeren Pfeilen dieselbe Durchschlagskraft erreichen konnten, wie die starken Kämpfer mit normalen Bögen und Pfeilen. Die Perser verschossen mit Pfeilschienen aus Kupfer glühende Nadeln aus Eisen mit dem treffenden Namen „himmas al-amir“. (Bohnen des Prinzen) und riefen damit bei ihren Gegnern sicher keine Begeisterungsrufe hervor.

Schießen mit einer Pfeilschiene

 

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Das Schießen mit einer Pfeilschiene bedarf neben der Beherrschung der Daumentechnik, etwas Übung. Die Art und Weise des        Schießens besteht darin, dass man den Bogen ganz normal mit der linken Hand hält und die Pfeilschiene mittels Daumen, Mittel- und Zeigefinger daran fixiert wie einen Pfeil. Dann nimmt man einen kurzen Pfeil und legt ihn mit der einzelnen Leitfeder nach innen in den Guide, sodass sich das Guide- und Nockende auf gleicher Höhe befinden.

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Danach dreht man die Bogenhand in die Position, als würde man mit einem normal langen Pfeil schießen, betrachtet den Guide und den kurzen Pfeil als eine Einheit und nockt den Pfeil ein. Am verjüngten Ende der Pfeilschiene ist ein Loch, durch das eine starke Schnur oder ein Lederband gefädelt ist, das man sich um den kleinen oder Mittelfinger wickelt, während man schießt. Dadurch wird die Pfeilschiene an der rechten Hand zurückgehalten, während der Pfeil beschleunigt wird. Oft ist auch eine kleine Kugel oder Perle an der Schlinge befestigt, welche einfach zwischen kleinem und Ringfinger eingeklemmt wird, um die Zughand schneller frei zu bekommen.

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Mit dem kleinen und Ringfinger der rechten Hand umfasst man nun zunächst diese Schlinge, oder falls vorhanden, die Perle, bevor man den kurzen Pfeil und Schiene gemeinsam in den gewohnten Verschluss der Daumentechnik nimmt. Danach zieht man Schiene und kurzen Pfeil gemeinsam aus, so als würde man mit einem normal langen Pfeil schießen und das Release erfolgt ebenso. Es ist nur darauf zu achten, dass der Guide unmittelbar nach dem Release zurückgezogen wird, um nicht in Kontakt mit der Bogensehne zu kommen und dadurch den Schussablauf zu stören. Ich drehe den Bogen auch ein wenig aus der Schussbahn, wie am Bild unten zu sehen ist.

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